Einführung in Touhou Project - Fragen und Antworten

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Thema Einführung in Touhou Project - Fragen und Antworten

Beitrag von Octagon am So 24 Jun - 10:21:58

Was ist Touhou?
"Touhou Project" ist eine Reihe von Bullet-Hell-Spielen vom japanischen Indie-Entwickler "ZUN", einem kreativen Programmierer und Geschichtenerzähler und genialen Komponisten, der absurde Mengen an Bier trinkt (viel mehr ist über ihn nicht bekannt). Was seine Erfolgsgeschichte angeht, könnte man Touhou das japanische Äquivalent von Minecraft nennen.
Unter "Bullet Hell" versteht man ein Genre von Spielen, bei denen es darum geht, sich durch dichte und eindrucksvolle Projektilmuster zu bewegen. Vom ganz grundlegenden Prinzip her ähnelt dieses Prinzip den Weltraumshootern aus Arcade-Zeiten, aber spielt sich ganz anders - bei Bullet Hell, besonders bei Touhou, ist das schnelle Zerstören der Gegner zweitrangig, und es kommt vor allem darauf an, die gewaltigen Mengen an Projektilen unbeschadet zu passieren... es ist weniger ein Ausweichen als ein Umschiffen. Letztendlich sind aber die meisten Kugeln nicht da, um den Spieler direkt zu treffen, sondern um ein ästhetisch ansprechendes Muster zu bilden. Und übermenschliche Reflexe sind auch nicht nötig, denn die Projektile sind verglichen mit denen in den meisten anderen Spielen sehr langsam, weil sie darauf ausgelegt sind, dass man ihnen ausweichen kann, wenn sie schon auf einen zufliegen.




Weil es extrem aufwändig wäre, die Spiele außerhalb Japans zu vertreiben, und nicht mit der ganzen Doujinshi-Szene rund um Touhou vereinbar wäre (siehe die recht unschönen Angelegenheiten mit La-Mulana und Cave Story) sind sie mit inoffizieller Billigung des Entwicklers auf verschiedenen Seiten kostenlos erhältlich - ich empfehle Moriya Shrine (caution is advised - mediocre fan art incoming!).

Der Reiz von Touhou liegt in der Atmosphäre, die durch die betörende Musik, die wunderschönen, eindringlichen Projektilmuster und ihre Manifestation als benannte Spellcards, und die dekorativen Hintergründe zustande kommt, den genial konzipierten, wenn auch oft nicht sehr ausgestalteten Charakteren und in der Herausforderung und dem Lernprozess des Spielers.

Praktisch alle Charaktere sind Mädchen oder Frauen mit magischen Fähigkeiten, albernen Hüten und wenig Geduld.
Die Dialoge sind meistens sehr albern, sarkastisch und gespickt mit Anspielungen und (leider oft unübersetzbaren) Wortspielen. Mit ihren magischen Fähigkeiten, Eigenarten, und ihren Tendenzen, Weisheit und Dummdreistigkeit gleichzeitig zu besitzen, sind die Touhou-Charaktere mit denen der Scheibenwelt-Romane vergleichbar.

Es gibt ein gewaltiges Touhou-Fandom und enorme Mengen an Memen, Remixes, Doujinshi, Fangames, Fanseiten und Analysematerialien. Das hat gute und schlechte Seiten - es gibt schlechte Remixes, verstörende Hentai-Werke und rechthaberisch-obsessive Fans, aber auch beeindruckend viele gute Touhou-Fanwerke, und durch die zahllosen verschiedenen Interpretationen sind die Charaktere sehr vielseitig und im Lauf der Zeit entsteht im eigenen Kopf ein sehr detailliertes und lebendiges Bild von Gensokyo.

Die Soundtracks sind ein erwähnenswerter Teil von Touhou Project. Meistens sind in der Musik hohe, melodische Trompeten und irrsinnig schnelle Klavierstimmen zu finden. Der Stil ist sehr charakteristisch, atmosphärisch und schwer zu beschreiben. Hört einfach selbst.
Satori Maiden ~ 3rd Eye (Subterranean Animism Stage 4 Boss)
Plain Asia (Imperishable Night Stage 3 Boss)
The Tiger-Patterned Vaisravana (Undefined Fantastic Object Stage 5 Boss)
Faith is for the Transient People (Mountain of Faith Stage 5 Boss)
Retribution for the Imperishable Night (Imperishable Night - duh - Stage 4)
Touhou Judgement in the Sixtieth Year ~ Fate of Sixty Years(Phantasmagoria of Flower View Final Stage Boss)
Reach for the Moon, Immortal Smoke (Imperishable Night Extra Boss)

  • Ästhetische, mathematische Muster, die aussehen, als hätte eine magisch zum Leben erweckte Feuerwerksrakete einen Spirographen oder einen Fraktalalgorithmus verschluckt.
  • Sarkasmus, Hickhack und albernes Gezanke.
  • Plötzlich auftauchende Anspielungen auf Literatur, Wissenschaft und Alltag.
  • Atmosphärische, melodische Spielsoundtracks.
  • Herausforderungen, an denen man wächst.
  • Berührende oder niwohstrotzende Fanwerke.
  • Durch den Regen zu gehen, den Tropfen auszuweichen und so trocken zu bleiben.


Wenn euch viele oder auch nur einige dieser Dinge zusagen, kann ich euch Touhou nur wärmstens empfehlen.

Ist das nicht zu schwer?
Sicherlich gründet sich euer Eindruck auf etwas wie das hier.
Solch extreme Dinge sind wahrscheinlich aus der Schwierigkeit "Lunatic", die nur für absolute Übertreiber ist, oder aus den immer noch sehr schweren, aber völlig optionalen und vergleichsweise kurzen Extrastages. Die Projektilmuster in den "normaleren" Bereichen der Spiele sind zwar teilweise ähnlich eindringlich und schön, aber erfordern längst nicht so unmenschliche Fähigkeiten. (Der gezeigte Screenshot ist aus einer völlig absurden "Extra-Extra-Stage", die schwerer ist als beide.)
Generell sind die Spiele recht schwer, und es kann sein, dass man viele Versuche braucht, bis man eins schafft, aber die einfache Schwierigkeitsstufe ist wirklich recht gut geeignet für Anfänger, und man lernt Touhou recht schnell, also könnt ihr euch selbst zusehen, wie ihr besser werdet.
In Touhou sind die meisten Projektile langsam, sodass man genug Zeit zum Ausweichen hat, und wie gesagt, eure Hitbox ist kleiner als viele der Kugeln. Dinge, die in Videos und auf Screenshots absurd oder unmöglich aussehen, stellen sich oft als leicht heraus, wenn man sie ausprobiert.

Das ist mir zu ...komisch
Ja, Kulturschock ist häufig. Als meine Mutter zum ersten Mal Touhou gesehen hat, war sie besorgt, dass "ihr sechzehnjähriger Sohn noch mit Elfen spielt".

Touhou mag zwar stellenweise kitschig erscheinen, aber Blütenblätter, Schmetterlinge und Mädchen mit seltsamen Hüten oder Tierohren machen die Spiele längst nicht aus. Fraktalmuster, Ausweichen, eindringliche Musik und sarkastisch-aggressive Gespräche sind mindestens ebenso prägend.

Dass alle Charaktere mehr oder weniger aussehen wie fette Zehnjährige, ist keine absichtliche Designentscheidung, sondern liegt nur daran, dass ZUN nicht zeichnen kann (auch wenn es längst nicht mehr so schlimm ist wie etwa in Touhou 7).

Dass Touhou für Pädophile sei, entspringt einer Mischung aus Vorurteilen gegenüber Japan, Irritation über den Zeichenstil, dem Kleidungsstil vieler Charaktere, der der unglücklich als "Gothic Lolita" bezeichneten Mode, der der Kleidungsstil vieler Touhou-Charaktere entspricht (kurz gesagt viktorianische Kleidung mit unglaublich vielen Rüschen, Schleifen und ein paar traditionellen japanischen Ornamenten) und Lolicon-Doujinshi, mit denen Touhou von manchen Leuten gleichgesetzt wurde. Dazu nur:
If someone wanted to "fulfill his lustful desires" he wouldn't do it by playing a shmup with poorly drawn characters and no sexual content.
Also, even if the cast were all young girls, why would that make you a lolicon? That's like saying playing Halo makes you massively gay for men in uniform.
"Lolita - a sexualized child, mostly pre-pubescent.
Gothic Lolita/Goth Loli - style of clothing with an absurdly frilly style mimicking the victorian era.
Know the difference. It may save your life.
Touhou != Lolita/Lolicon/Loli
Touhou = Gothic Lolita/Goth Loli
Blame the series' art style for making the characters look childlike. Many characters are way older(besides the childlike characters that are over hundreds of years old.) than you may assume.
Additionally, Touhou NEVER sexualizes their characters. Ever. If you ever see them showing skin, they're probably another artist.

Now. A more appropriate term would be 'moeblobs' or 'cute anthromorphic girls.'

Mit welchem Teil soll ich anfangen?
Touhou 10 (Mountain of Faith) ist einsteigerfreundlich. Die Projektilmuster sind relativ leicht und schön anzusehen, und man hat eine sehr großzügige Menge an Spellcards zur Verfügung. Das einzige Problem ist, dass man (ähnlich zum Münzsystem in Mario-Spielen) sich seine Extends (Extraleben) mit Punkten verdienen muss, und das besondere Punktesystem von MoF ist ziemlich bescheuert und nervig - kurz gesagt sollte man Items verzögert aufsammeln, damit der Punktemultiplikator hoch bleibt.
Touhou 8 (Imperishable Night) ist zwar im normalen Modus meiner Meinung nach sehr schwer, aber im einfachen Modus wahrscheinlich das leichteste Touhou-Spiel. Es wird sehr dadurch erleichtert, dass man, nachdem man getroffen wurde, einen relativ langen Zeitrahmen hat, in dem man eine Spellcard benutzen kann, um den Verlust des Lebens zu negieren.
Continues muss man sich auf eine bestimmte Art verdienen, die dem Spiel noch eine zusätzliche Herausforderung gibt, aber der einfache Modus ist leicht genug, dass man ihn mit etwas Übung ohne Continues schafft und daher dieses System ignorieren kann, wenn man will.
Touhou 7 (Perfect Cherry Blossom) hat an sich einige recht schwere Projektilmuster, aber man bekommt ab und zu eine Art Schutzschild. Und jeder der spielbaren Charaktere hat eine Eigenschaft, die mit einem bestimmten Spielstil synergetisch ist - Reimu hat eine kleine Hitbox und bewegt sich sehr präzise, Sakuya bekommt sage und schreibe vier Spellcards pro Leben, und Marisa bekommt zwar den größten Malus fürs Benutzen einer Spellcard und die wenigsten Karten, hat aber dafür gewaltige Angriffsstärke. Stage 1-4 sind leider recht ...unbefriedigend, aber trotzdem schön, und das Ende ist atemberaubend. Es gilt aber: Wer unter Kulturschock leidet und Probleme mit rosa Blütenblättern und extrem schlecht gezeichneten Portraits hat, sollte lieber zu Imperishable Night greifen.
Touhou 13 (Ten Desires) ist nicht schwer, aber die Divine Spirits (im Prinzip Items, die nicht fallen) sorgen häufig dafür, dass man dumme Fehler macht, und man braucht viel Übung, bis man nicht mehr von ihnen abgelenkt wird. Irgendwie kann ich in diesem Spiel gar nicht richtig Konzentration aufbauen - entweder sind die Projektilmuster so trivial, dass ich mich nie richtig "bedroht" fühle (und dann trotzdem getroffen werde, weil ich nicht genug aufs Spiel achte), oder die Divine Spirits lenken mich ab, oder die neuen Soundeffekte und das veränderte Interface irritieren mich.

Die PC-98-Spiele (Touhou 1-5) habe ich noch nicht gespielt, aber man kann dort nicht fokussieren, und die Projektile sind manchmal wesentlich schneller und unfairer, daher empfehle ich nicht, sie als Erstes zu spielen. (Nebenbei bemerkt, sie sind auch storymäßig nicht direkt mit den späteren Teilen verbunden. Wer also darauf erpicht ist, sie chronologisch zu spielen, kann getrost mit Embodiment of Scarlet Devil anfangen und unabhängig davon irgendwann mal Th1-5 spielen.)

Wichtige Begriffe und Mechanismen
Spellcards
Die "Spellcards" in Touhou sind einstudierte magische Spezialangriffe, die für einen Charakter spezifisch sind, und manifestieren sich als zweierlei Dinge: einerseits benannte, besonders herausfordernde Muster, die von Bossen benutzt werden, und andererseits als Notfallwerkzeug, das alle gegnerischen Projektile entfernt und für kurze Unverwundbarkeit sorgt, und somit als "Panic Button" eingesetzt werden kann. Für Touhou-Spieler mit normalen Fähigkeiten ist der kluge Einsatz von Spellcards essentiell fürs Überleben.
Die Namen der Spellcards und die Form und das Muster der Projektile entsprechen meistens den Fähigkeiten und den Interessen ihrer Anwender, und sehr häufig enthalten sie Anspielungen auf Mythologie, Naturwissenschaften, Geschichte, Literatur, andere Spiele oder moderne Popkultur. Wie Spellcards funktionieren, darüber wird sehr schön hier spekuliert.
Leben/Extends/Continues
Man beginnt normalerweise je nach Spiel mit 2 oder 3 Leben (in vielen Teilen besteht die Möglichkeit, sich Extraleben einzustellen). Jedes Mal, wenn man getroffen wird, ohne sofort eine Spellcard einzusetzen, verliert man ein Leben. Durch verschiedene Dinge je nach Spiel (in älteren Spielen bei bestimmten Punktzahlen oder Mengen an Punktitems, in neueren meist beim Aufsammeln von ~8 "Schnipseln") bekommt man ein Leben dazu.
Power/Items
Items erscheinen, wenn man Gegner besiegt, und fallen langsam nach unten. Blaue Items geben Punkte (und manchmal gibt es ein System ähnlich der Mariomünzen, bei dem man sich durchs Sammeln vieler Punktitems Zusatzleben verdient), rote Items erhöhen die Angriffsstärke. Wenn man getroffen wird, verliert man etwas von seiner gesammelten Angriffsstärke wieder, ähnlich wie bei Cave Story.
Je nach Spiel gibt es häufig noch spezifische Klassen von Items, die typischerweise als Punktemultiplikatoren und häufig auch noch defensive Unterstützung wirken (etwa die Cherry Items in Touhou 7, die einem ab und zu ein Schutzschild verleihen).
Fokus/Hitbox
Ein sehr wichtiger Spielmechanismus ist der Fokus. Während man die Fokustaste (standardmäßig Shift) gedrückt hält, bewegt man sich langsamer und kontrollierter, und die eigene Hitbox wird sichtbar. Dies ist essentiell zum Überleben bei dichteren Projektilmustern, denn es erlaubt extreme Präzision.
In Bossphasen sollte man nur wenig auf den Gegner schauen, da sich dieser bei den meisten Spellcards automatisch ungefähr auf der Höhe des Spielercharakters aufhält.
Eure Hitbox (der Bereich von euch, der getroffen werden kann) ist nur der kleine Punkt, den man im fokussierten Zustand sieht. Ähnlich haben viele Projektile eine kleinere Hitbox, als man denken könnte (z. B. Marisas Sterne und Utsuhos Sonnen).
Auto Collection
Unter bestimmten Bedingungen kann man automatisch alle Items auf einmal einsammeln, indem man in den oberen Teil des Bildschirms fliegt. In älteren Teilen geht das nur im Full Power Mode (d. h. solange man maximale Angriffsstärke besitzt).




Wenn ich euer Interesse wecken konnte, viel Spaß! Wenn ihr weitere Fragen habt, stellt sie einfach hier.
PS: In einem gewissen interplanetaren Reiseführer ist ein sehr schöner Artikel über Touhou zu finden.
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